Märkische Oderzeitung Februar 2003

ÜAZ sieht sich für Zukunft gerüstet Am Standort Wriezen wird das Kompetenzzentrum im Denkmalschutz ausgebaut / Neuer Leiter lobt Personal (von SVEN KLAMANN
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Wriezen (MOZ) Auf das Überbetriebliche Ausbildungszentrum der Bauwirtschaft kommen schwere Zeiten zu. Der Rückgang der Zahl der Schulabgänger wird auch diese Einrichtung treffen. „Den Tiefpunkt erwarten wir für die Jahre 2007 bis 2010", sagt Volker Anblank. Der seit Anfang dieses Jahres amtierende neue Leiter des jetzt vereinten ÜAZ hält nichts davon, die Entwicklung wie ein Kaninchen vor der Schlange abzuwarten.

Die Betriebsstätten in Frankfurt (Oder) und Wriezen seien dabei, mit einem veränderten Profil auf die Herausforderung zu reagieren, betont der Diplomingenieur für Maschinenbau. Noch ist das ÜAZ eine feste Größe auf dem hart umkämpften Markt der Ausbildung. „Und das soll so bleiben", betont Volker Anblank (38). Derzeit werden in Wriezen und in Frankfurt (Oder) 1200 junge Menschen für das Berufsleben fitgemacht. Die Palette reicht von der durch die Bundesagentur für Arbeit gestützte Benachteiligtenförderung über die klassische Lehre bis hin zum Meisterbrief, für den alle geforderten Lehrgänge in Theorie und Praxis angeboten werden.

Um das Fortkommen des Nachwuchses kümmern sich aktuell 160 Beschäftigte.„An der Zahl der Mitarbeiter wird sich fürs Erste in Wriezen und in Frankfurt (Oder) nichts ändern", sagt Volker Anblank. Die Fusion beider Stätten habe eben nicht einen Personalabbau zum Ziel. Vielmehr sei die jetzt zusammengelegte Stätte in der Lage, ihr Profil zu schärfen und sich so im Wettbewerb um den Nachwuchs zu positionieren. Deshalb gebe es seit Anfang des Jahres nur noch einen ÜAZ-Leiter, der für Frankfurt (Oder) und Wriezen verantwortlich sei, betont der Berliner, der in jeder Woche mindestens zwei Tage in der Oderbruchstadt verbringt.

Bislang werden in Wriezen unter anderem Tischler, Zimmerer, Straßenbauer, Trockenbauer und Stuckateure ausgebildet. In Frankfurt (Oder) kommen zum Beispiel noch Fliesenleger, Maler und Lackierer hinzu.„Gerade bei den letzten dreiBerufen war zuletzt ein sinkender Bedarf zu verzeichnen", betont Volker Anblank. Sonst sei die Nachfrage auf niedrigem Niveau stabil geblieben, sagt er.

Von seinem Vorgänger Peter Liebig, der in den Ruhestand ging, spricht der Nachfolger mit Respekt. „Was die Mitarbeiter des hiesigen ÜAZ in den vergangenen 12 Jahren unter der Federführung von Peter Liebig geleistet und geschaffen haben, ist im höchsten Maß anerkennenswert", betont der neue Leiter.Was die Zusammenarbeit mit den Kollegen in Wriezen betrifft, so sieht sich Volker Anblank zwar nach wie vor in der Phase des Kennenlernens. Doch er sei hochbeeindruckt von der Motivation der Mitarbeiter und von deren Wollen, sich ständig weiterzubilden, fügt er hinzu. Davon könne das vereinte ÜAZ nur profitieren, sagt der Maschinenbauingenieur. So seien in Wriezen die Vorarbeiten am Kompetenzzentrum für Restaurierung und Denkmalschutz weit fortgeschritten. Ein Großteil der Ausbilder habe die Befähigung erworben, den Nachwuchs auch in dieser Hinsicht zu schulen. „Das setzt Maßstäbe in der Ausbildung", urteilt Volker Anblank. Denn wer in der Lehre den Umgang mit alten Handwerkstechniken vermittelt bekommen habe, sei sogar für seinen Arbeitgeber ein Gewinn.
„Die Firma kann ihr Profil erweitern und damit für sich neue Märkte erschließen", sagt der ÜAZ-Leiter. Die Voraussetzungen für das geplante Kompetenzzentrum könnten also kaum besser sein. Zudem die Ausbilder auch eng mit dem Landeskonservator zusammenarbeiten würden.
So sei Wriezen auf dem Weg dahin, für Unternehmen flicht nur aus der Region zu einem vielgefragten Ansprechpartner für allen Fragen des Denkmalschutzes zu werden. Wenn Volker Anblank in Frankfurt (Oder) ist, wird er in Wriezen von Frank Wiedmer vertreten, der seit Januar als Ausbildungsstättenleiter in der Oderbruchstadt füngiert. Vorher hatte er als Ausbildungsleiter gearbeitet. Doch seit die Stätten Wriezen und Frankfurt (Oder) fusioniert sind, hat der Frankfurter Jörg Lehmann dieses Amt an beiden Standorten inne. Das zusammengelegte ÜAZ wird als weiteres Standbein seine Auslandskontakte ausbauen, die schon von Russland, Polen, Tschechien und Schweden bis-nach Madagaskar reichen.

Dass mittelfristig jedes Jahr weniger Schulabsolventen eine Lehrstelle brauchen, nennt der ÜAZ-Leiter ein Problem, auf das reagiert werden kann. „Denn die Zahlen stehen ja fest", sagt er. Schwieriger sei es da schon, den Weggang junger Menschen aus der Region zu verkraften.


Fachgespräch in der Tischlerwerkstatt: Maria Kothe (20) aus Kienbaum lernt beim Christlichen Jugendwerk in Seelow, erweitert in Wriezen ihre praktischen Kenntnisse und zeigt dem neuen ÜAZ-Leiter Volker Anblank, dass sie gerade an einer Tischplatte mit Pferdekopf feilt.