Märkische Oderzeitung 20..11.2003

Zu wenig Lehrlinge für das ÜAZ Einrichtung in der Fürstenwalder Fabrikstraße wurde geschlossen / Ausbildung jetzt in Frankfurt (Oder)

Von BETTINA WINKLER und UWE STEMMLER

Fürstenwalde (MOZ) Das Überbetriebliche Ausbildungszentrum (ÜAZ) der Bauindustrieverbandes im Fürstenwalder Pintschgelände ist geschlossen. In guten Zeiten der Bauwirtschaft tummelten sich hier bis zu 260 Lehrlinge, erhielten fundierte Grundausbildung. Zum Schluss sollen es nur noch gut 20 gewesen sein. Die Krise in der Bauwirtschaft wirkte sich kräftig aus. Der Träger der Einrichtung, das Berufsförderungswerk des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg, machte den Laden im Sommer dieses Jahres dicht. Die Lehrlinge müssen nun nach Frankfurt (Oder) ins ÜAZ-Zentrum.

Das verwaiste Gelände in der Fürstenwalder Fabrikstraße gehört dem NCC. Das Unternehmen sucht jetzt neue Mieter oder Käufer.Das Gelände des Überbetrieblichen Ausbildungszentrums der Bauwirtschaft (ÜAZ) an der Fürstenwalder Fabrikstraße ist verwaist. Dass hier noch bis vor wenigen Monaten Lehrlingen das Einmaleins eines Bauberufes beigebracht wurde, kann man nur noch ahnen: die Muster von Mauern und der Fachwerkbau, die das Können des Handwerkernachwuchses aus der Region demonstrieren sollten, stehen verloren in der Gegend herum. Die Tür zum Flachbau, in dem die jungen Leute Theorie büffelten oder Prüfungen ablegten, ist verschlossen.„Mit Ende des vergangenen Ausbildungsjahres haben wir unsere Einrichtung in Fürstenwalde geschlossen", sagt Werner Besterda, ehemaliger Leiter des ÜAZ. In „guten" Zeiten, erinnert er sich, lernten pro Jahr im ÜAZ Fürstenwalde 260 Lehrlinge aus der Baubranche ihr Handwerk.
Die Ausbildung in insgesamt 13 Berufen wurde hier angeboten: Maurer, Zimmermann, Trockenbauer, Fliesenleger und vieles mehr. Sogar ausländische Gäste weilten hier. Über zehn Jahre gab es einen Austausch mit einer Bauberufsschule in Portugal - ein traditionelles portugiesisches Gewölbe auf dem Außengelände zeugt noch heute davon. „Die Handwerksbetriebe der Region bilden zuwenig aus. Das spiegelt die aktuelle Wirtschaftslage, und vor allem der Lage im Bauhandwerk wider", bedauert Werner Besterda. Die Einschätzung bestätigt auch Peter Tesma, Geschäftsführer des Berufsförderungswerkes des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg, das für die überbetrieblichen Ausbildungszentren zuständig ist. Die Kapazität habe man einfach nicht mehr auslasten können. Am Ende waren seien es nur noch etwas mehr als 20 Lehrlinge aus Baubetrieben gewesen. „Deshalb mussten wir die Außenstelle in Fürstenwalde schließen", sagt Tesma und erläutert weiter: Die Betriebe mussten derzeit an allen Ecke und Enden sparen, um über die Runden zu kommen. Da falle bei vielen eben auch die Lehrlingsausbildung unter den Tisch, weil es im Moment am wenigsten weh tut. Das könne sich allerdings in vier, fünf Jahren rächen - wenn wegen der geburtenschwachen Jahrgänge kaum noch Nachwuchs für die Firmen zu finden sein wird, so Tesma.Die Lehrlinge gehen jetzt nach Frankfurt (Oder), zum ÜAZ-Hauptsitz im Bereich der Handwerkskammer Frankfurt (Oder), auch zwei der Ausbilder kamen dort unter. Der dritte hat eine Stelle in der Außensteile in Strausberg erhalten.Peter Tesma erwartet indes, dass die Talfahrt bei der Ausbildung endlich anhält. Ein schwacher Hoffnungsschimmer sei: In diesem Jahr habe das Berufsförderungswerk etwa genau so viele Lehrlingsneueinstellungen in den Betrieben registriert wie im vergangenen Jahr.Das verwaiste Gelände an der Fabrikstraße gehört dem NCC. „Wir bieten es bereits auf dem Markt an, suchen neue Mieter oder Käufer", berichtet Peter Jux, Pressesprecher des NCC.




 


Schotten dicht: Das Gelände des ÜAZ im Pintschring ist geschlossen. Die Arbeiten der Maurer und Zimmermanns- Lehrlinge zeugen noch von besseren Zeiten.