Hier darf mit Lehm geworfen werden 24 Maurerlehrlinge aus vier Ländern
errichten im Wildpark ein naturkundliches Kabinett in Lehmbautechnik / Übergabe
nächste Woche
- von KATRIN LECHLER -
Wer dieser Tage in den Wildpark im Rosengarten kommt, kann beobachten, wie ein
Haus in traditioneller Lehmbautechnik entsteht. Und wie Jugendliche aus vier
Nationen harmonisch miteinander arbeiten.Können Sie sich noch an das Glück
von Staudämmen aus Sand und Schlammpfützen erinnern? Wie es ist, mit
bloßen Händen in die feuchte Masse zu greifen und dem Ganzen eine
Form zu geben?
Ein bisschen müssen sich die 24 jungen Maurer in diese Zeit zurückversetzt
fühlen, die seit zwei Wochen im Wildpark arbeiten. Die Lehrlinge aus Schweden,
Tschechien, der Slowakei und Deutschland errichten ein naturkundliches Kabinett
in traditioneller Lehmbauweise. Das außergewöhnliche Projekt wurde
vom Überbetrieblichen Ausbildungszentrum Frankfurt (ÜAZ) initiiert
und mit EU-Mitteln aus dem Leonardoprogramm und der Unterstützung vieler
Frankfurter Firmen ermöglicht.Vom Fundament bis zur Decke haben die 16-
bis 18-jährigen alles in alter Lehmbautechnik errichtet. Als das Ständerwerk
aus Kieferholz, also das Gerippe des Hauses stand, wurde ein Geflecht aus Weinruten
und Eichenstaaken in die einzelnen Gefache eingebracht. Mit beiden Händen
haben die Lehrlingen dann den Lehm von innen und außen auf das Geflecht
aufgeschüttet. Oder eher geworfen.
Der Innenraum wird derzeit mit Ton- und Lehmziegeln zusätzlich isoliert.
In die Außenwand haben die Maurer kleine Löcher in den feuchten Lehm
gedrückt, damit der Putz bessere Haftung hat. Auch die Holzdecke erhält
eine Lehmschüttung. „So ein Haus atmet ganz anders und strahlt eine
andere Atmosphäre aus", sagt Rüdiger Lichten-heldt, Ausbildungsmeister
vom ÜAZ. Er hat die traditionelle Lehmbauweise auf Lehrgängen gelernt.„Lehm
kann Feuchtigkeit aufnehmen und zur richtigen Zeit wieder abgeben", so
Volker Anblank, Leiter vom ÜAZ. Leider ist die Bauweise sehr aufwändig
und damit teuer. Der Lehm muss mit Sand, Strohhäcksel und Mineralbeigaben
gemischt werden, wobei die Strohhäcksel je nach Verwendung des Baumaterials
unterschiedlich lang sind. „Danach muss ein Lehmhaus drei Monate austrocken
und über den Winter ausfrieren", erklärt Anblank.
Im Berliner
Speckgürtel werden manche alte Häuser schon so saniert.In der Slowakei
und in Tschechien ist Lehmbau noch gar nicht verbreitet. „Unsere Lehrlinge
werden Pioniere in dieser Technik sein", lacht Peter Misik, der Gesandte
der slowakischen Botschaft, der gestern mit Bürgermeisterin Katja Wolle
zu Besuch im Wildpark war. Auch die Botschafter von Tschechien und Schweden
werden in den nächsten Tagen erwartet. Bis zum nächsten Donnerstag
soll alles fertig sein, dann wird die Übergabe des Hauses gefeiert. Das
wird für die jungen Maurer kein Problem sein. „Sie sind mit Energie
und Enthusiasmus dabei", lobt Ausbilder Lichtenfeldt. In der Freizeit machen
sie gemeinsam Ausflüge in den Oderbruch, Berlin und Potsdam.Und die Verständigung
untereinander? „Wir finden Wege, uns zu verständigen", sagt
Ivan Pozsonyi, der einzige in der Gruppe der Slowaken, der Deutsch lernt.Vielleicht
tragen auch die wiederentdeckten Schlammfreuden ihren Teil zu der guten Stimmung
bei.
Innerhalb von zwei Wochen haben junge Maurer dieses Lehmhaus im Eingangsbereich
des Wildparks errichtet. Bisher ist diese traditionelle Bautechnik aus Kostengründen
nicht stark verbreitet.