Märkische Oderzeitung 17./18..05.2003

Hier darf mit Lehm geworfen werden 24 Maurerlehrlinge aus vier Ländern errichten im Wildpark ein naturkundliches Kabinett in Lehmbautechnik / Übergabe nächste Woche

- von KATRIN LECHLER -

Wer dieser Tage in den Wildpark im Rosengarten kommt, kann beobachten, wie ein Haus in traditioneller Lehmbautechnik entsteht. Und wie Jugendliche aus vier Nationen harmonisch miteinander arbeiten.Können Sie sich noch an das Glück von Staudämmen aus Sand und Schlammpfützen erinnern? Wie es ist, mit bloßen Händen in die feuchte Masse zu greifen und dem Ganzen eine Form zu geben?

Ein bisschen müssen sich die 24 jungen Maurer in diese Zeit zurückversetzt fühlen, die seit zwei Wochen im Wildpark arbeiten. Die Lehrlinge aus Schweden, Tschechien, der Slowakei und Deutschland errichten ein naturkundliches Kabinett in traditioneller Lehmbauweise. Das außergewöhnliche Projekt wurde vom Überbetrieblichen Ausbildungszentrum Frankfurt (ÜAZ) initiiert und mit EU-Mitteln aus dem Leonardoprogramm und der Unterstützung vieler Frankfurter Firmen ermöglicht.Vom Fundament bis zur Decke haben die 16- bis 18-jährigen alles in alter Lehmbautechnik errichtet. Als das Ständerwerk aus Kieferholz, also das Gerippe des Hauses stand, wurde ein Geflecht aus Weinruten und Eichenstaaken in die einzelnen Gefache eingebracht. Mit beiden Händen haben die Lehrlingen dann den Lehm von innen und außen auf das Geflecht aufgeschüttet. Oder eher geworfen.

Der Innenraum wird derzeit mit Ton- und Lehmziegeln zusätzlich isoliert. In die Außenwand haben die Maurer kleine Löcher in den feuchten Lehm gedrückt, damit der Putz bessere Haftung hat. Auch die Holzdecke erhält eine Lehmschüttung. „So ein Haus atmet ganz anders und strahlt eine andere Atmosphäre aus", sagt Rüdiger Lichten-heldt, Ausbildungsmeister vom ÜAZ. Er hat die traditionelle Lehmbauweise auf Lehrgängen gelernt.„Lehm kann Feuchtigkeit aufnehmen und zur richtigen Zeit wieder abgeben", so Volker Anblank, Leiter vom ÜAZ. Leider ist die Bauweise sehr aufwändig und damit teuer. Der Lehm muss mit Sand, Strohhäcksel und Mineralbeigaben gemischt werden, wobei die Strohhäcksel je nach Verwendung des Baumaterials unterschiedlich lang sind. „Danach muss ein Lehmhaus drei Monate austrocken und über den Winter ausfrieren", erklärt Anblank.

Im Berliner Speckgürtel werden manche alte Häuser schon so saniert.In der Slowakei und in Tschechien ist Lehmbau noch gar nicht verbreitet. „Unsere Lehrlinge werden Pioniere in dieser Technik sein", lacht Peter Misik, der Gesandte der slowakischen Botschaft, der gestern mit Bürgermeisterin Katja Wolle zu Besuch im Wildpark war. Auch die Botschafter von Tschechien und Schweden werden in den nächsten Tagen erwartet. Bis zum nächsten Donnerstag soll alles fertig sein, dann wird die Übergabe des Hauses gefeiert. Das wird für die jungen Maurer kein Problem sein. „Sie sind mit Energie und Enthusiasmus dabei", lobt Ausbilder Lichtenfeldt. In der Freizeit machen sie gemeinsam Ausflüge in den Oderbruch, Berlin und Potsdam.Und die Verständigung untereinander? „Wir finden Wege, uns zu verständigen", sagt Ivan Pozsonyi, der einzige in der Gruppe der Slowaken, der Deutsch lernt.Vielleicht tragen auch die wiederentdeckten Schlammfreuden ihren Teil zu der guten Stimmung bei.

 


Innerhalb von zwei Wochen haben junge Maurer dieses Lehmhaus im Eingangsbereich des Wildparks errichtet. Bisher ist diese traditionelle Bautechnik aus Kostengründen nicht stark verbreitet.