Märkische Oderzeitung 03.04.1998

Maurern und Zimmerleuten über die Schulter geschaut Bei künftigen Gesellen alles im LotÜber 300 beim „Tag der offenen Tür" im Überbetrieblichen Ausbildungszentrum Bauwirtschaft

Von unserem Mitarbeiter JÖRG KOTTERBA

„Tag der offenen Tür" im Überbetrieblichen Ausbildungszentrum Bauwirtschaft (ÜAZ) am Erlengrund: Über 300 interessierte Schüler aus 15 Schulen der Region besuchten gestern Werkstätten und Fachkabinette, blickten künftigen Maurern, Zimmerleuten oder Lackierern über die Schulter, informierten sich bei Pädagogen und Lehrmeistern über Ausbildungsmöglichkeiten.
Wolfgang Kadetzki lächelte zufrieden. Gerade hatte er der 9c von der 4. Realschule erklärt, was seine Maurerjungs so alles auf dem Kasten haben. „Auf neun von ihnen wartet in wenigen Wochen die Gesellenprüfung", so der grauhaarige Lehrmeister stolz, „sie stecken im dritten Lehrjahr - und werden beweisen, daß bei ihnen alles im Lot ist, sie mit Maurerkelle und Wasserwaage umgehen können.
"Hunderte Azubis hat der Maurermeisters ein Stück ihres Berufsweges begleitet. „Manch einer von ihnen kam beim traditionellen ,Tag der offenen Tür' auf den Geschmack", weiß Kadetzki aus jahrelanger Erfahrung, schwärmt dann: „Die Ausbildungsbedingungen sind hier ja auch ideal: 13 Bauhallen, ein Maschinenraum, dazu Schulungs- und Ausbildungsräume, das Betonlabor - super."760 Lehrlinge aus Frankfurter Baubetrieben und der Region lernen derzeit am Erlengrund. „Hinzu kommen 290 Ausbildungsstellen, die das Arbeitsamt innerhalb der geförderten Berufsausbildung ermöglichte", informierte ÜAZ-Chef Walter Jahn.
Neuland betrat seine Einrichtung am 1. Oktober 1997. Da griff erstmals das gerade geschaffene Kooperationsmodell des Landes Brandenburg (Koop-Modell genannt): „64 Schüler an Oberstufenzentren erhalten innerhalb von drei Jahren die theoretische Ausbildung an ihrer Schule — und die praktische bei uns", so Walter Jahn. 32 künftige Maurer und 32 angehende Maler und Lackierer sind die ersten im ÜAZ, die dieses Modell praktizieren. Für Jahn ist wichtig: „Das Prüfungs- und Berufsbildungsgesetz des Landes erlaubt, daß die Schüler dann auch ihren Gesellenbrieferwerben können."
Walter Jahn und andere ÜAZ-Mitarbeiter machten freilich gestern keinen Hehl aus ihren täglichen Sorgen. „Wenn Baubetriebe sterben", sagte Jahn leise, „sind meist auch ÜAZ-Lehrlinge betroffen. Der Ausbildungsvertrag ist ausschließlich an einen Baubetrieb gebunden. Geht der in Konkurs, ist die Lehre für den Azubi dahin. Wir bemühen uns natürlich um eine Umschulung. Doch die Chancen sind so groß leider nicht."

Prüfender Blick auf die Wasserwaage. Künftige Maurer zeigten beim gestrigen „Tag der offenen Tür" auch den Schülern der 4. Realschule (Bildhintergrund), was sie bisher gelernt haben.