Maurern und Zimmerleuten über die Schulter geschaut Bei künftigen
Gesellen alles im LotÜber 300 beim „Tag der offenen Tür"
im Überbetrieblichen Ausbildungszentrum Bauwirtschaft
Von unserem Mitarbeiter JÖRG KOTTERBA
„Tag der offenen Tür" im Überbetrieblichen Ausbildungszentrum
Bauwirtschaft (ÜAZ) am Erlengrund: Über 300 interessierte Schüler
aus 15 Schulen der Region besuchten gestern Werkstätten und Fachkabinette,
blickten künftigen Maurern, Zimmerleuten oder Lackierern über die
Schulter, informierten sich bei Pädagogen und Lehrmeistern über Ausbildungsmöglichkeiten. Wolfgang
Kadetzki lächelte zufrieden. Gerade hatte er der 9c von der 4. Realschule
erklärt, was seine Maurerjungs so alles auf dem Kasten haben. „Auf
neun von ihnen wartet in wenigen Wochen die Gesellenprüfung", so der
grauhaarige Lehrmeister stolz, „sie stecken im dritten Lehrjahr - und
werden beweisen, daß bei ihnen alles im Lot ist, sie mit Maurerkelle und
Wasserwaage umgehen können. "Hunderte Azubis hat der Maurermeisters
ein Stück ihres Berufsweges begleitet. „Manch einer von ihnen kam
beim traditionellen ,Tag der offenen Tür' auf den Geschmack", weiß
Kadetzki aus jahrelanger Erfahrung, schwärmt dann: „Die Ausbildungsbedingungen
sind hier ja auch ideal: 13 Bauhallen, ein Maschinenraum, dazu Schulungs- und
Ausbildungsräume, das Betonlabor - super."760 Lehrlinge aus Frankfurter
Baubetrieben und der Region lernen derzeit am Erlengrund. „Hinzu kommen
290 Ausbildungsstellen, die das Arbeitsamt innerhalb der geförderten Berufsausbildung
ermöglichte", informierte ÜAZ-Chef Walter Jahn. Neuland betrat
seine Einrichtung am 1. Oktober 1997. Da griff erstmals das gerade geschaffene
Kooperationsmodell des Landes Brandenburg (Koop-Modell genannt): „64 Schüler
an Oberstufenzentren erhalten innerhalb von drei Jahren die theoretische Ausbildung
an ihrer Schule — und die praktische bei uns", so Walter Jahn. 32
künftige Maurer und 32 angehende Maler und Lackierer sind die ersten im
ÜAZ, die dieses Modell praktizieren. Für Jahn ist wichtig: „Das
Prüfungs- und Berufsbildungsgesetz des Landes erlaubt, daß die Schüler
dann auch ihren Gesellenbrieferwerben können."
Walter Jahn und andere ÜAZ-Mitarbeiter machten freilich gestern keinen
Hehl aus ihren täglichen Sorgen. „Wenn Baubetriebe sterben",
sagte Jahn leise, „sind meist auch ÜAZ-Lehrlinge betroffen. Der Ausbildungsvertrag
ist ausschließlich an einen Baubetrieb gebunden. Geht der in Konkurs,
ist die Lehre für den Azubi dahin. Wir bemühen uns natürlich
um eine Umschulung. Doch die Chancen sind so groß leider nicht."
Prüfender Blick auf die Wasserwaage. Künftige Maurer zeigten beim
gestrigen „Tag der offenen Tür" auch den Schülern der 4.
Realschule (Bildhintergrund), was sie bisher gelernt haben.