32 Maurer-Lehrlinge lernen bis Ende Mai in
Porto, Portugal
„Die Burschen stehen ihren Mann"
Projekt wird vom Europäischen Bildungswerk gefördert / Ziel: Arbeit
mit dem Naturstein
Von unserem Mitarbeiter JÖRG KOTTERBA
Montag in aller früh gingen 32 Lehrlinge des Überbetrieblichen Ausbildungszentrums
(ÜAZ) Bauwirtschaft auf große Tour. Das Reiseziel: Porto, Portugal.
„Dort werden sich die künftigen Maurer bis zum 29. Mai aufhalten,
viel von Land und Leuten sehen, aber vor allem an der Arbeit mit Naturstein
geschult", so ÜAZ-Chef Walter Jahn. Organisiert und zum großen
Teil finanziert wurde das Projekt vom Europäischen Bildungswerk mit Sitz
in Potsdam.
Andreas Jordan ist mit 17 das Küken in der Runde. Ein paar Tage
im April haben er - der Maurerlehrling im ersten Lehrjahr - und seine Kumpel
Marco Kultus und Karl-Henry Freitag mit Maria Merkel Portugiesisch gebüffelt.
Maria ist gebürtige Brasilianerin, jetzt in Deutschland verheiratet, Dozentin.
,,'Ne Cola bestellen kann ich in der Landessprache schon", meinte Andreas
zurückliegende Woche stolz. Er freute sich wenige Stunden vor der langen
Fahrt „mächtig gewaltig" auf die 2700-km-Reise Richtung Süden.
„Mir ist doch klar", sagte der lang aufgeschossene Bursche nachdenklich,
„daß ich viel eher einen sicheren Job auf dem Bau bekomme, wenn
ich qualifizierter als manch anderer bin."Neugierig ist Andreas vor allem
auf die ihm unbekannte Technologie der Granitbearbeitung, auf die Gestaltung
von Oberflächen, auf die Sanierung der Natursteine. „Mein Onkel,
der seit über 30 Jahren Maurer ist, war von diesem Projekt genauso begeistert
wie ich. Spontan meinte er: Granitbearbeitung? Das ist deine Chance, Junge!" Ein
Kurs, der sich „Steinbearbeitung und Kunst" nennt, wird vor Ort gemeinsam
mit portugiesischen Lehrlingen durchgeführt. Das stadteigene Ingenieurbüro
für Sanierung leitet die Arbeiten, wird auch Restaurierungs-Technologien
von Holz-und Steinplastiken zeigen. „Die portugiesischen Azubis erlernen
bereits im zweiten Lehrjahr die Produktion von Tischen, Stühlen, Bänken
und Geländern aus Granit. Der wird in ihrem Land ja bekanntlich tonnenweise
abgebaut", berichtet ÜAZ-Chef Walter Jahn. Er ist gespannt, wie geschickt
sich seine Jungs bei diesem Material anstellen. Die Cooperativa dos Pedreiros,
die Kooperative der Steine, wird in Porto regionale Sanierungs- und Restaurationsprojekte
vorstellen. Landeskundliche Vorträge halten Professoren und Dozenten der
dortigen Universität. Deshalb war sich Walter Jahn schon vor der Reise
ziemlich sicher: „Die Horizonte der ÜAZ-Lehrlinge werden in Porto
nicht nur in beruflicher Hinsicht erweitert."Ziel des Austauschprojektes
ist es auch, die Toleranz der Jugendlichen gegenüber anderen Denk- und
Lebensweisen zu fördern und zum Abbau von Ausländerfeindlichkeit beizutragen. 250
Mark hat jeder der 32 Azubis für diese Reise aufbringen müssen - ein
Bruchteil der Gesamtkosten, erzählt Frank Kranz. Der 38jährige ist
Lehrmeister im Ausbildungszentrum, hat die Klasse 741 unter seinen Fittichen
- und begleitet seine Schützlinge. „Wir haben lange über das
Ziel dieses Projektes diskutiert. Die Burschen werden in Porto ihren Mann stehen",
meinte er kurz vor der Abfahrt.
Ihren Mann stehen sollen die Porto-Reisenden freilich auch beim Besuch der Firma
Sandemann. Der weltbekannte Sherry-Produzent hat die ÜAZ-Lehrlinge zur
Besichtigung ihrer Weinkeller eingeladen - Mit Verkostung.
Klar für die Abreise. Wenige Stunden vor der großen Fahrt wurde dieses
Foto „geschossen". Die Azubis des ÜAZ kamen gerade von ihrem
Sprachlehrgang.