Märkische Allgemeine/Brandenburger Stadtkurier vom 16.02.06
Gut gepflastert zum Erfolg
Partnerschüler aus Poznan lernen im ÜAZ die Arbeit mit Natursteinen
Die Berufsausbildung in Deutschland genießt einen
guten Ruf in Polen. Das war ein Grund für die Berufsschule ZSB in Poznan,
den Kontakt zum Überbetrieblichen Ausbildungszentrum (ÜAZ) im ehemaligen
Stahlwerksgelände zu suchen. Seit Anfang der Woche lernen 15 junge Männer
der polnischen Partnerschule in Brandenburg, wie Natursteine gepflastert werden.
Denn in ihrer Heimat gebe es solche Übungszentren wie im ÜAZ nicht,
berichtet der Leiter Martin Brack.
Die Brandenburger müssen keine Bange haben, dass im ÜAZ die Arbeitskräftekonkurrenz
aus dem Nachbarland herangebildet wird. Die jungen Männer zwischen 17
und 21 Jahren lernen in ihrer Heimat nicht Tiefbauer, sondern machen an der
technischen Bauschule ihr Abitur, um anschließend an der technischen
Hochschule zu studieren.
Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb sie im ÜAZ so überaus
motiviert Kleinpflaster in Reihe setzen, sich voller Begeisterung mit den
Grundlagen, der Vermessung im Straßenbau vertraut machen, sich mit Grundverbänden,
Ornamentpflastern und Segmentbogen befassen. „Manche wollen sogar in
den vorgeschriebenen Pausen einfach weitermachen", erzählen die
Fachausbilder Wolfgang Fink und Bernd Beuchel, die ähnliches bei deutschen
Lehrlingen eher selten erleben.
Die praktischen Arbeiten stehen im Vordergrund, daneben geben die Brandenburger
Ausbilder jeweils theoretische Einführungen, etwa über geltende
Euro-Normen.
Das Kulturprogramm führt sie zu Brandenburgs Sehenswürdigkeiten
sowie nach Potsdam und Berlin.
Das Überbetriebliche Ausbildungszentrum hat erst Ende 2005 die Partnerschaft
mit der Berufsschule aus Poznan vertraglich vereinbart. Der Besuch der jungen
Polen, die während ihres zweiwöchigen Praktikums im ÜAZ-Wohnheim
am Neuendorfer Sand leben, sei das erste gemeinsame Projekt, berichtet ÜAZ-Leiter
Martin Brack. Er möchte die Partnerschaft weiter mit Leben erfüllen.
Schon Anfang März präsentieren sich ZSB und ÜAZ gemeinsam auf
.der Bildungsmesse in Poznan,
Im September gehen acht deutsche Maler- und Lackierer-Lehrlinge nach Poznan,
um dort renovierungsbedürftige Räume zu gestalten. Die Verbindung
nach Polen, die sich als Europa-Projekt versteht, ergänzt die Partnerschaft
des ÜAZ mit dem Bauindustrieverband in Norwegen.
Das 1991 gegründete ÜAZ besteht landesweit an vier Standorten und
bildet rund1300 Schüler und Azubis aus, davon 400 in Brandenburg. Es
gehört zum Verein Berufsförderungswerk des Bauindustrieverbandes
Berlin-Brandenburg.
jl