Märkische Allgemeine/Potsdamer Landkurier vom 14.11.2006
Förderschüler einbezogen
Ausbildungsstätte für Bauberufe in Werder erweitert ihr Angebot
REGINE GREINER
WERDER • Die Ausbildungsstätte des Berufsförderungswerk e.V.
in Werder wird künftig noch enger mit der Allgemeinen Förderschule
in der Kemnitzer Chaussee zusammenarbeiten. Dass beide Einrichtungen im Sinne
der Schüler und Lehrlinge gut zusammenwirken können, haben u.a.
Praktika von Förderschülern in der Bildungsstätte für
Bauberufe in der Damaschkestraße in den vergangenen Monaten bereits
bewiesen.
Ein Kooperationsvertrag zwischen beiden Schulen ist kürzlich unterschrieben
worden „und das nächste gemeinsame Projekt steht auch schon fest",
sagt der Leiter der Ausbildungsstätte, Matthias Gedicke. Und wie von
ihm zu erfahren war, soll auch mit der Freien Schule am Zernsee noch im Dezember
ein Vertrag für die künftige Zusammenarbeit unterzeichnet werden.
In der Förderschule sind die ersten Ergebnisse der Begegnungen und des
gemeinsamen Lernens auf Zeit in der Ausbildungsstätte bereits zu sehen.
So absolvierten annähernd 20 Mädchen und Jungen der Förderschule
in der Vereinsstätte in der Damaschkestraße ein Praktikum u.a.
im Lehmbau, Holzbau oder in der Farbgestaltung und fertigten in dieser Zeit
die Tür für das Lehmhaus auf ihrem Schulgelände. Ausbilder
des Vereins strichen mit Schülern die Bänke auf dem Schulhof an
der Kemnitzer Chaussee.
Und das gemeinsame Schaffen wird fortgesetzt. „Als nächste Herausforderung
wird die Verschönerung der Essenausgabe in der Förderschule angepackt",
kündigt Gedicke an. Dabei wollen Lehrlinge des dritten Lehrjahres aus
dem Maler- und Lackiererhandwerk mit den Schülern die Gestaltung vorbereiten
und realisieren. Gedicke wünscht sich, dass man noch mehr Angebote für
Mädchen unterbreiten könnte. Im Landschaftsbau und der Holzgestaltung
würden sich aber bereits Entwicklungsmöglichkeiten insbesondere
auch für Mädchen ergeben.
Doch nicht nur mit Werderaner Schülern gibt es Beispiele erfolgreicher
Teamarbeit, die sowohl den Lehrlingen wie auch den Schülern und Pädagogen
im Erfahrungsaustausch zugute kommt. So pflegt der Berufsförderungswerk
e.V. Kontakte zu Ausbildungsstätten u.a. in Polen und Ägypten. Erst
kürzlich wieder sammelten drei Lehrlinge aus Werder wertvolle Erkenntnisse
im Auslandseinsatz. Dabei konnten sie in der Berufsschule in Poznan ihr Leistungsvermögen
unter Beweis stellen und zugleich neue Eindrücke in ihrer Branche sammeln.
Gegenwärtig werden in der Ausbildungsstätte
am Bahnhof Werder 97 Mädchen und Jungen, teils mit Lernbehinderung, in
sieben Berufen des Bauhandwerks und des Landschaftsbaus unterrichtet. Ihnen
stehen 16 Ausbilder, Sozialpädagogen und Förderlehrer zur Seite.
Für die meisten Lehrlinge ist es die große Chance, sich gut auf
das Leben vorzubereiten.
Potsdamer Neueste Nachrichten vom 11.11.2006
Berufliche Perspektiven für lernbehinderte Kinder
Förderschule und Ausbildungszentrum kooperieren
Werder - Lernbehinderten Kindern eine gesicherte berufliche Perspektive zu geben – das ist ein Hauptanliegen der Pädagogen der Förderschule Werder. Nach einem geeigneten Partner mussten sie nicht lange suchen. Schließlich gibt es in der einstigen Vulkanfiber-Fabrik an der Werderaner Adolf-Damaschke-Straße eine Filiale des Überbetrieblichen Ausbildungszentrums der Bauwirtschaft Brandenburg/Friesack (ÜAZ). Etwa 100 junge Leute werden hier in den verschiedensten Berufen ausgebildet. Dazu gehören seit drei Jahren auch lernbehinderte Jugendliche, die in Werder zu Hochbauwerkern qualifiziert werden. Viele Absolventen der 10. Klasse der Förderschule sind bereits am ÜAZ in Werder aufgenommen worden.
„Wichtig ist, dass sie hier eine besondere Betreuung durch einen Sozialpädagogen und einen zusätzlichen Lehrer erhalten“, sagte die Leiterin der Förderschule, Petra Holz, gestern. Sie war in das ÜAZ gekommen, um die Zusammenarbeit mit der Berufsausbildungseinrichtung nun auch offiziell durch einen Vertrag zu besiegeln. ÜAZ-Leiter Martin Brack nannte es eine „Verlobung“, der bereits eine intensive Verbindung und mehrere gemeinsame Projekte vorangegangen seien.
Bewährt haben sich unter anderem die einwöchigen Praktika von Werderaner Förderschülern der Klassenstufe 8 im ÜAZ. Unter Anleitung der Berufsausbilder haben sie sich dabei unter anderem mit Glasmalerei beschäftigt, Bänke gestrichen und eine Tür für die Förderschule gebaut. „Mit Hilfe solcher Projekte können die Schüler frühzeitig testen, welcher Beruf für sie geeignet ist“, erklärte Petra Holz. Doch die Verbindung zwischen ÜAZ und Förderschule soll keineswegs eine Einbahnstraße sein. „Wir können auch sehr viel von den Pädagogen der Förderschule lernen“, sagte der Leiter der Werderaner ÜAZ-Ausbildungsstätte Matthias Gedicke.
In der Förderschule an der Kemnitzer Chaussee
lernen derzeit 106 Mädchen und Jungen. Die meisten von ihnen sind lernbehindert,
ein Teil von ihnen hat zusätzlich auch ein körperliches Handicap
zu meistern. Um sie kümmern sich 21 Lehrer sowie vier Therapeuten bzw.
therapeutische Betreuer. Entstanden ist die Bildungseinrichtung aus dem Zusammenschluss
der Allgemeinen Förderschule „Peter Joseph Lenné“
und der Förderschule für Körperbehinderte, die einst in der
Jahnschen Stiftung Glindow ihre Heimstatt hatte. 2004 war vom Landkreis der
Beschluss gefasst worden, beide Förderschulen an einem Standort zusammen
zu führen. Die Schüler kommen vor allem aus der Region Werder, aber
auch aus Schwielowsee, Kloster Lehnin, Luckenwalde und Treuenbrietzen. Brandenburg/Havel
oder Groß Kreutz Derzeit wird eine ganztagsschulische Betreuung vorbereitetet.
Auch dafür soll nun die Kooperation mit dem Werderaner Ausbildungszentrum
genutzt werden.
Hagen Ludwig