„Der Prignitzer“ vom 29.03.2006
Unterschrift besiegelt Kooperation
Allgemeine Förderschule und ÜAS wollen
zum Praxislernen weiter zusammen arbeiten
Perleberg · Mit einem Kooperationsvertrag
machten gestern Monika Wlodarz und Hartmut Martin die weitere Zusammenarbeit
der Allgemeinen Förderschule und der Überbetrieblichen Ausbildungsstätte
der Bauwirtschaft perfekt.
An zwei Praxistagen hatten die Schüler der jetzigen 10. Klassen im vergangenen
Jahr in der ÜAS in das Maler- und Lackiererhandwerk hineingeschnuppert
und das Modell einer Wohnung gestaltet. Die Ausbildungsstätte erklärte
sich auf Anfrage bereit, die Schüler im neuen Schuljahr auch für
einen längeren Zeitraum zu betreuen.
Ende Februar 2006 nahmen die Zehnklässler dann statt des Füllers
- Hobel, Kelle und feile in die Hand und absolvierten in den Bereichen Holz,
Bau und Metall ein zweiwöchiges Praxislernen (der „Prignitzer“
berichtete) – ein Pilotprojekt im Rahmen der Umgestaltung des Lehrplans
Kl. 9 und 10. Dazu bildete sich an der Schule eine Kommission, die eine Konzeption
zur Umgestaltung erarbeitete. Ziel war und ist, den Schülern einen kleinen
Einblick zu geben, welche theoretischen und praktischen Anforderungen sie
in der Berufsausbildung erwarten.
Gestern nun präsentierten die Schüler ihre Ergebnisse und hatten
dazu auch den ÜAS-Leiter, die Ausbilder, bei denen sie tätig waren,
und weitere Betreuer eingeladen. Krönender Abschluss war die Unterzeichnung
des Kooperationsvertrages für die Weiterführung dieser Zusammenarbeit.
„Die Schüler zeigten einen Elan, eine Begeisterung und Disziplin,
die heute gar nicht mehr so selbstverständlich ist“, lobte Hartmut
Martin die Mädchen und Jungen und bezog in dieses Lob auch die Lehrer
ein, die das Praktikum sehr zielstrebig und engagiert begleitet hätten.
„Wir sind mit dem Kooperationsvertrag auf dem richtigen Weg“,
so Martin, der sich dafür aussprach, verstärkt Kontakte zwischen
Schulen und Betrieben herzustellen und dabei an die guten Erfahrungen aus
der DDR anzuknüpfen.
Monika Wlodarz ihrerseits lobte die umsichtige, freundliche und offene Art
der ÜAS-Mitarbeiter, die den Kooperationsgedanken sehr befördert.
Was den ÜAS-Leiter gestern auf der Präsentationsveranstaltung auch
beeindruckte, war die Nachhaltigkeit des Erlebten bei den Schülern. Denn
durchweg begeistert waren die 15- und 16-Jährigen zuerst nicht, 14 Tage
um 7.30 Uhr zur Arbeit zu erscheinen und bis 15.30 Uhr durchzuhalten, wie
einem Beitrag auf der Schautafel „Praxislernen Klasse 10“ zu entnehmen
ist. Das Bearbeiten von Holz, Metall und das Mauern war auch nicht jedermanns
Sache. Und sie sollten in der Praxiszeit voll in den Ausbildungsalltag integriert
werden – mit Stützunterricht, Wochenbericht schreiben, Leistungstest
und natürlich der Arbeit selbst mit Anfertigung eines Endprodukts.
Doch diese Einstellung änderte sich im Laufe des ÜAS-Aufenthalts.
Eine Befragung, nach dem Praxislernen durchgeführt, spricht eine deutliche
Sprache: 19 von 26 Schülern gefiel die Praxis besser als die Theorie
in der Schule, 15 würden gern nach Beendigung der Schule eine Ausbildung
in der Reetzer Straße beginnen.
Praxislernen war keine zensurenfreie Zeit
In zwei Wochen Praxis waren für die Schüler keine zensurenfreie
Zeit. Ebenso floss der Hefter, den jeder anlegte, in die Bewertung ein. Und
auch auf der gestrigen Präsentation wurden Zensuren vergeben –
für das freie Sprechen und den Inhalt der Erläuterungen –
eingetragen im Fach Deutsch. Als Rückkopplung und Abschluss führten
die Schüler gestern noch einen Wissenstest zum Praxislernen durch, den
sie auch selbst auswerteten.
M. Drössler