Westhavelländer Märkische Allgemeine 09./10.04.05
Schwerpunkt traditionelle TechnikSieben junge Norweger sind im ÜAZ Friesack
zu Gast
FRIESACK. Zapfenstutzen anfertigen und Dachstuhl mit Gauben bauen. Das sind
zwei Beispiele für Aufgaben, die Ole, Siw, Qystin, Ola, Lars, Jo und Qyvid
mit Barvour meisterten. Die sieben jungen Norweger sind im Rahmen eines europäischen
Austauschprojekts für Lehrlinge seit Anfang April für drei Wochen
in der Ausbildungsstätte Friesack des Überbetrieblichen Ausbildungszentrums
(ÜAZ) Brandenburg/Havel–Friesack zu Gast.
Sie sind Auszubildende im 2. Lehrjahr und lernen Zimmerer und Tischler. Ihre
Ausbildungszeit in Norwegen beträgt vier Jahre. Unterstützt von ihren
Lehrmeistern Magnar Kviksadhagen und Helge Holen, machen sie sich vor allem
mit der traditionellen handwerklichen Holzverarbeitung im ÜAZ vertraut.
Dabei steht ihnen Ausbilder Bernd Gensicke zur Seite. Mit dem Schwerpunkt der
traditionellen Tätigkeit entsprechen die Friesacker einem Wunsch ihrer
Gäste. In Norwegen würde man mehr den Schwerpunkt auf industrielle
Ausbildung legen, erläutert Rainer Behnke. Der Leiter der Friesacker Ausbildungsstätte
hieß die Jugendlichen im ÜAZ willkommen.
Zunächst arbeiten sie in der Werkstatt der Zimmermannslehrlinge. In der
zweiten Woche zum Baustellenpraktikum. Am 22. April ist das internationale Praktikum
für die Norweger zu Ende. Bis dahin werden sie in ihrer Freizeit das Havelland
mit seinen Sehenswürdigkeiten erkunden, aber natürlich auch Berlin
besuchen. Mit Jugendlichen des Internats wird man sich in einem sportlichen
Vergleich messen.
Bereits seit 1997 pflegt das ÜAZ den Praktikumsaustausch von Auszubildenden
mit Norwegen. So waren bereits viermal Azubis des ÜAZ in dem Land der Fjorde.
Einige von ihnen sich auch nach der Ausbildung wieder dort hingefahren, um zu
arbeiten.
Die Chancen, in Norwegen einen Arbeitsplatz zu bekommen, sind nämlich gut.
Das land hat lediglich eine Arbeitslosenquote von zwei Prozent. Für gute
Zukunftschancen der Jugendlichen spricht auch noch ein anderes Beispiel. Helge
Holen hat bisher rund 300 Jugendliche ausgebildet – und alle fanden nach
ihrer Lehre Arbeit.
