Fachwerkerausbildung wird zum festen Bestandteil

Bereits seit Oktober 2003 werden im ÜAZ Brandenburg/H.-Friesack Jugendliche entsprechend des § 48 Berufsbildungsgesetz (BBIG) als Hochbaufachwerker ausgebildet. Mit diesem Gesetz wird jugendlichen, die aus welchem Gründen auch immer schulisch nicht voll Leistungsfähig waren, eine komplette Berufsausbildung mit Förderung ermöglicht. Dabei handelt e sich vorwiegend um lernbeeinträchtigte Jugendliche, die mit Hilfe einer theoriereduzierten und besonders praxisbezogenen Ausbildung in den normalen Arbeitsmarkt integriert werden sollen. Mit entsprechend veränderten Lehrplan und einer Ausweitung der Ausbildung auf drei Jahre haben das Ausbildungszentrum und die Berufsschule breiten Raum und mehr Zeit, um Lerndefizite nicht mit „Auswahl“ reagieren zu müssen, sondern mit langfristig planbarer „Förderung“ pädagogisch wirksam werden zu können.
Die Ausbildung nach § 48 BBIG absolvieren mittlerweile insgesamt 42 Auszubildende in je zwei Hochbaufachwerker-Gruppen in Brandenburg und Werder. Der pädagogische Ansatz ist sehr vorsichtig und hat weniger den kurzfristigen erfolg als das Erreichen des Ausbildungsziels im Auge. Da das Ausbildungsprogramm die Möglichkeit bietet, sehr gut auf die einzelnen Schwachstellen einzugehen, haben wir damit bisher sehr gute Erfahrungen sammeln können.
Die zumindest im 1. Lehrjahr deutlich zurückgenommenen Anforderungen an die Lehrlinge ermöglichen diesen bisher kaum gekannte Erfolgserlebnisse. Diese wiederum bringen – für manche zum ersten Mal im Leben – einen hohen Motivationspegel mit sich. Äußerlich sichtbar wird das zum Beispiel in sehr geringen Fehlzeiten oder im deutlich spürbaren Interesse der Azubis an Ausbildung und Unterricht. In vielen Fällen führt dies zu überdurchschnittlich guten Berufsschulnoten.
Manchen Lehrling entdeckt in unserer Ausbildung erstmals, dass er eigentlich sehr viel leistungsfähiger ist, als er von sich selbst bisher annahm. Bestes Beispiel ist dafür Azubi Thomas Lautsch, der nach dem 1. Lehrjahr in der Fachwerkersausbildung ohne Probleme den Sprung in die betriebliche Ausbildung und dort gleich ins zweite Lehrjahr schaffte. Dass er am Monatsende nun 700 statt 300 Euro auf dem Konto hat, ist ein erfreuliches Extra.
Betrachtet man das sich veränderte Profil von modernen Bildungseinrichtungen, verdient in Zukunft die Ausbildung nach Paragraph 48 ohnehin besondere Aufmerksamkeit, denn die steigende Anzahl von Schulabgängern mit Lerndefiziten wird die 48er-ausbildung deutlich zunehmen lassen. Auf Grund unserer Erfahrungen aus den Letzten BVB-Ausschreibungen ist es sicherlich nicht nachteilig, ein eigenes, praxisbewährtes Reha-Konzept aufweisen zu können. Dadurch können auch die kommenden Ausschreibungen der Bundesagentur für arbeit einige Ausscheidungskriterien mit ausreichenden Erfahrungen belegt werden. Das wiederum schafft uns Vorteile gegenüber den Mitbewerbern und hilft uns, auf dem hart umkämpften Markt weiter zu bestehen.