Kompetenzen für Trakehnen

Durch ein Förderprojekt des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien trainierten 6 Studenten des Kaliningrader Kollegs für Städtebau im ÜAZ Bauwirtschaft in Frankfurt (Oder) berufliche Kompetenzen im Zimmererhandwerk, um dann bei der Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes des Landstallmeisterhauses des ehemaligen Gestüts Trakehnen im ehemaligen Ostpreußen versiert mitwirken zu können. Das Projekt gliederte sich in zwei Phasen. In der ersten Phase erfolgte das zweiwöchige berufspraktische Training der russischen Baustudenten in der Zimmerer-Lehrwerkstatt des ÜAZ.
In der anschließenden zweiten Phase erfolgte der zweiwöchige Baustelleneinsatz in Jasnaja Poljana, dem ehemaligen Trakehnen. Betreut wurden die sechs jungen Männer von Zimmerermeister und Restaurator Andreas Lagansky und Adolf Rist, der als Historiker auch das Dolmetschen in Frankfurt (Oder) und im Oblast Kaliningrad übernahm. Für dieses Projekt hatte auch der Verein der Freunde und Förderer des ehemaligen Hauptgestütes Trakehnen e.V. das Berufsförderungswerk geworben. Umfängliche Absprachen zwischen den Beteiligten waren in der Vorbereitungsphase zu treffen, zumal der planmäßige Studienablauf der Studenten und auch der Schulbetrieb in Jasnaja Poljana nicht beeinträchtigt werden sollten. Interessierte Studenten waren in Kaliningrad zu gewinnen.
Am 22.08.10 reisten die Studenten im ÜAZ an. Für einige Teilnehmer war dies nicht der erste Aufenthalt im ÜAZ; Studenten des Kollegs waren bereits im April 2009 Besucher und hatten im November 2009 ein mehrwöchiges Praktikum absolviert. Beim zehntägigen Berufstraining – die Studenten arbeiteten erstmalig mit Holz – ging es um die Handhabung von Handwerkzeugen, die Anwendung elektrischen Handmaschinen, die Bearbeitung von Bauholz, die Herstellung von traditionellen Holzverbindungen und die Anfertigung eines Modells im Maßstab 1:2. Der Verein der Freunde und Förderer des ehemaligen Hauptgestütes Trakehnen e.V. hatte dem ÜAZ die kompletten Planungsunterlagen für den Dachaufbau bereitstellt. Mit sehr viel Fleiß und Interesse bemühten sich alle Studenten sehr erfolgreich, um optimal auf das anschließende Baustellenpraktikum in ihrer Heimat vorbereitet zu sein. Die Studenten fertigten über ihren Aufenthalt eine Dokumentation an.
Eine Fachexkursion mit Besichtigung der Dachstühle der Friedenkirche und der Konzerthalle in Frankfurt (Oder) trug zum Verständnis des Zimmererhandwerks bei. Eine sachkundige Führung gab es von der Denkmalbehörde.
Wolfgang Zithier, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostbrandenburg, besuchte die Zimmererwerkstatt und überzeugte sich vom Niveau der Ausbildung. Die Handwerkerzeitung berichtete darüber. Vom Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten in Potsdam kamen Herr von Hörschelmann und zwei weitere  Besucher, um mit den Beteiligten über das Projekt zu sprechen.  
Alle waren vom Engagement der Akteure beeindruckt.
Zum Rahmenprogramm des Aufenthalts in Frankfurt (Oder) zählten neben Exkursionen nach Berlin, in die Frankfurter Nachbarstadt Slubice (Polen) und in die Umgebung des Gastortes auch Bowling und Grillen. Beim Rahmenprogramm sorgten Andreas Lagansky,  Adolf Rist und  Zbigniew Stal für interessante Eindrücke von der Gastregion für die jungen Leute aus Kaliningrad.
Am 04. September war der Aufenthalt im ÜAZ beendet und die Rückreise nach Kaliningrad erfolgte.  Durch das Kaliningrader Kolleg und das Berufsförderungswerk war der zweiwöchige Baustelleneinsatz ab dem 06.09.10 in Jasnaja Poljana (ca. 120 km von Kaliningrad entfernt) vorbereitet worden. Das in einem Ausschreibungsverfahren ermittelte und beauftragte russische Bauunternehmen war informiert. Die Schloßschule im ehemaligen Landstallmeisterhaus in Trakehnen stellte Unterkunft und Verpflegung. Das Bauvorhaben wurde durch Spenden und deutsche Fördermittel, beantragt vom Verein der Freunde und Förderer des ehemaligen Hauptgestütes Trakehnen e.V., ermöglicht.
Hochmotiviert reisten Studenten und deutsche Betreuer zur Baustelle an und übernahmen Aufgaben der Baustellenvorbereitung und der Freilegung der Dachkonstruktion. Der Schulbetrieb im ehemaligen Landstallmeisterhaus wurde dabei nicht beeinträchtigt. Bedauerlicherweise konnten die Studenten zum Zeitpunkt des Baustellenpraktikums noch nicht das in Frankfurt (Oder) Gelernte einsetzen. Verzögerungen im Bauprozeß waren die Ursache. Diszipliniert wurden aber alle übertragenen Arbeiten realisiert.
Herr Tomas Karadjanz, Generaldirektor vom beauftragten Bauunternehmen BAGRATION bescheinigte in einem Brief das hohe Engagement der Studenten und ÜAZ-Mitarbeiter.
Am letzten Tag in Jasnaja Poljana wurden den Studenten im Beisein der Direktorin der Schloßschule die Zertifikate für die Teilnahme am Projekt ausgehändigt.                          
Kolleg, Berufsförderungswerk und die Studenten haben die Zusage vom Bauunternehmen, dass bei der Fortsetzung der Arbeiten am Dach im November / Dezember die Studenten ihre Fachkompetenz und Tatkraft einbringen können.
Dieses Projekt stellt eine Fortsetzung der bisherigen Zusammenarbeit zwischen Berufsförderungswerk und dem Kaliningrader Kolleg dar.

Auszug von der Website des Vereins der Freunde und Förderer des ehemaligen Hauptgestütes Trakehnen e.V.
http://www.trakehnenverein.de/
„TRAKEHNEN, Paradies der Pferde und Sinnbild einer jahrhundertealten Gestütskultur, war die Wurzel und das Herz ostpreußischer Pferdezucht. Der „Mythos Trakehnen" hat den Krieg und die fluchtartige Räumung des Hauptgestüts im Jahre 1944 in seinen Pferden überlebt. Trakehner Pferde werden heute auf allen Kontinenten gezüchtet.

Anders Trakehnen heute: Die traditionsreichen Anlagen des ehemaligen Hauptgestütes drohen nach über 250-jähriger Geschichte zu verfallen.
Zwei wesentliche Gebäude dieses einzigartigen Kulturdenkmals der Nachwelt zu erhalten ist erklärtes Ziel des „Vereins der Freunde und Förderer des ehemaligen Hauptgestüts Trakehnen". Im Einvernehmen mit der örtlichen Bevölkerung und den russischen Behörden soll das Kulturerbe bewahrt werden. Gleichzeitig ist die Erhaltung des ehemaligen Landstallmeisterhauses und des damaligen Reitburschenhauses ein wichtiger humanitärer Beitrag, da sie seit Ende der 40er Jahre als Schule genutzt werden.“

„Trakehnen war nicht nur Hauptgestüt mit mehr als tausend wertvollen Gestüts- und Zuchtpferden, sondern war auch ein landwirtschaftlicher Musterbetrieb mit ca. 6000 ha Weiden, Wiesen und Äckern.
Dazu gehörten 16 Gutshöfe, auch Vorwerke genannt. Sie wurden geführt von acht Wirtschaftsinspektoren. Die landwirtschaftliche Oberleitung oblag einem Oberamtmann.
Oberster Chef war der Landstallmeister.“

 

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