Ausbildungskurs für norwegische Zimmerer
Im Auftrag des Bildungsvereins Bautechnik Berlin absolvierten vom 20.09. bis 08.10.2010 acht Zimmerer aus verschiedenen Bauunternehmen Norwegens einen Kurs „Traditioneller zimmermannsmäßiger Holzbau und Schiftung“ im Frankfurter ÜAZ des Berufsförderungswerks. Der Kurs gehört zu einem Mobilitätsprojekt innerhalb des EU-Programms Leonardo da Vinci.
Andreas Lagansky, Zimmerermeister und Ausbilder, hatte diesen anspruchsvollen Kurs fachlich gut vorbereitet. Mittels einer eigenen Lernsoftware konnte er die einzelnen Lern- und Arbeitsschritte der Übungen anschaulich darstellen.
Stand noch zu Beginn das Herstellen traditioneller Holzverbindungen per Hand und dann mit Hilfe von Handmaschinen im Mittelpunkt, so konnte später im Kurs ein sechseckiger Pavillon unter Nutzung des gesamten Maschinenparks mit einer Kantenlänge von 2,40 m gebaut werden. Das berufliche Training wurde als Einzel- und Gruppenarbeit in der Zimmerer-Lehrwerkstatt des ÜAZ praktiziert.
Der Pavillon in Fachwerkbauweise – Göpelschauer mit Kaiserstil, Gratsparren und Schifter – wurde von den Teilnehmern in der Kindertagesstätte Am Sonnensteig
in Frankfurt (Oder) aufgebaut und zünftig übergeben. Zum Programm gehörte auch eine Fachexkursion zur Besichtigung von historischen Dachstühlen in der Konzerthalle und der Friedenskirche von Frankfurt (Oder). Die Denkmalbehörde gab hier dem ÜAZ die notwendige Unterstützung.
Beim Rahmenprogramm bekamen die Gäste einen kleinen Einblick in die Region.
Tagesexkursion nach Berlin mit individueller Gruppenführung in Bundestag, Besichtigung des Sportleistungszentrums in der Oderstadt, Schießtraining beim Olympiasieger Manfred Kurzer, Bowling und Schwimmen, Stadtbesichtigungen von Frankfurt (Oder) und der polnischen Nachbarstadt Slubice gehörten u.a. ebenso dazu wie ein ganztägiger Ausflug zum Tropical Island. Beim Freizeitprogramm hatte sich Herr Zbigniew Stal vom ÜAZ sehr engagiert eingebracht. Die Gruppe war im Gästehaus des ÜAZ untergebracht.
Zur Präsentation der Lern- und Arbeitsergebnisse am 8. Oktober waren aus Berlin Herr Rainer Eder, Ehrenpräsident des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg e.V., und Frau Angelika Thormann, Geschäftsführerin des Bildungsvereins Bautechnik e.V., angereist. Ebenso Herr Marco Heinicke, Geselle im Zimmererhandwerk, der im Herbst seine Meisterausbildung beginnt und zuvor an 2 solcher deutsch-norwegischer Projekte teilnahm und jetzt 2,5 Jahre in Norwegen gearbeitet hatte. Alle drei zeigten sich sehr beeindruckt von den Ergebnissen des Aufenthalts der Norweger.
An der feierlichen Übergabe des Pavillons nahm auch der Geschäftsführer der Volkssolidarität, Herr Jürgen Rambow, als Träger der Kindereinrichtung teil. Kinder der Kita führten ein unterhaltsames Programm auf und beschenkten die Erbauer des Pavillons, der nun von ihnen für Spiel und Spaß genutzt wird. Sie staunten nicht wenig, dass nun auch die Zimmerer mit einem traditionellen Zimmererklatsch zur kulturellen Umrahmung beitrugen (auch das gehörte zum abgestimmten Lehr- und Lernprogramm). Den Gästen der Kita wurde die Einrichtung bei einem Rundgang erklärt. Geschäftsführer und Erzieherinnen verwiesen dabei auf die jahrelange ausgezeichnete Zusammenarbeit mit dem ÜAZ und dankten Herrn Jörg Lehmann, Leiter der Ausbildungsstätte.
Anschließend fand, umrahmt von einem feierlichen Essen, dass angehende Köche des ÜAZ zubereiteten und servierten, die Abschlussbesprechung und Zertifikatsübergabe im ÜAZ statt. Der Ausbilder Andreas Lagansky zeigte mittels einer Power Point Präsentation den Ablauf des dreiwöchigen Ausbildungskurses und erläuterte die zu vermittelnden Kompetenzen und die fachlichen Ansprüche. Er lobte das Engagement, die Einsatzbereitschaft und den Fleiß der Teilnehmer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Diese hoben neben dem fachlichen Niveau auch die Gastlichkeit und Betreuung im ÜAZ hervor. Besonders wichtig war für sie die beständige Arbeit mit Holz – in der Heimat führen sie vorwiegend andere Arbeiten aus – und das Erwerben neuer beruflicher Handlungskompetenzen. Die ausgeführten Arbeitstähigkeiten waren Neuland für die jungen Norweger.
Walter Jahn, Leiter Auslandsdienst des Berufsförderungswerks, konnte gemeinsam mit Herrn Eder und Frau Thormann zur erfolgreichen Teilnahme den jungen Männern die Zertifikate übergeben. Von Bildungsverein gab es Präsente für alle Teilnehmer und Akteure. Der Ausbilder überreichte jedem Teilnehmer eine CD mit dem Fachprogramm. Die Teilnahme am Ausbildungsaufenthalt wird noch mit dem Euro-Mobilitätspaß bestätigt.
Zum Gelingen des Ausbildungsaufenthaltes trug nicht unwesentlich bei, dass seitens des Bildungsvereins Bautechnik ständig ein versierter und kompetenter Dolmetscher zur Verfügung stand. Am 9. Oktober reisten die norwegischen Kollegen nach Hause.
Vor dem 3-Wochen-Kurs in Frankfurt (Oder) hatte der Bildungsverein auf Wunsch der norwegischen Partner einen einwöchigen Aufenthalt in der Begegnungsstätte Sachsenhausen organisiert. Hier, in unmittelbarer Nähe der KZ-Gedenkstätte, beschäftigten sich die Teilnehmer intensiv mit der Zeitgeschichte. Dieser Einstieg in den Deutschlandaufenthalt war emotional sehr bewegend für die jungen Erwachsenen.
Im ÜAZ Frankfurt (Oder) weilten im Herbst 2010 weiterhin Auszubildende aus Rußland, Polen, Litauen und Tschechien.





