10 Jahre Kooperatives Modell

Im Herbst 2005 begann der mittlerweile zehnte Beginnjahrgang einer vollzeitschulischen Berufsausbildung im Rahmen des Kooperativen Modells in den Ausbildungsstätten unseres Berufsförderungswerkes. Gelegenheit eine Rückschau zu halten und ein Resümee zu diesem Ausbildungsmodell zu ziehen.
Vom Anfang an fand das Kooperative Modell des Landes Brandenburg seine Fürsprecher, aber auch Kritiker. Nachdem die Kinderkrankheiten der Jahre 1997 und 1998 überstanden waren, stabilisierte sich diese Ausbildungsform und besteht seitdem fast unverändert fort. Es ist zu erwarten, dass auch im Jahr 2006 im Kooperativen Modell ausgebildet wird.
Aus gesamtgesellschaftlicher Sicht ist das Kooperative Modell gut und notwendig, im Detail betrachtet zeigen sich allerdings nach wie vor Schwächen.
Der entscheidende Vorteil ist, dass Schulabgängern ohne betrieblichen Ausbildungsplatz eine Berufsausbildung geboten wird. Das ist ein entscheidender Schritt im Hinblick auf die Perspektive unserer Jugend. Die Kritik der letzten Jahre konzentrierte sich auf die schlechten Vermittlungsquoten in adäquate Arbeitsplätze. Diese kurzsichtige Betrachtungsweise ist jedoch in ihrem Gehalt leicht zu entkräften. Wir haben zur Zeit glücklicherweise noch hohe Schulabgängerzahlen, aber eine regional und konjunkturell begründete Ausbildungsplatzlücke.
Am Arbeitsmarkt sieht es dementsprechend nicht anders aus.
Das wird sich in den nächsten Jahren ändern, doch hätte man die Jugendlichen seit 1997 darauf warten lassen sollen? Sicher finden viele nach dem Abschluss der Berufsausbildung keine Arbeit, aber ihre Chancen darauf wären ohne Ausbildung noch weit schlechter. Und wie wäre es den betroffenen Jugendlichen in dieser Zeit ergangen. Im besten Fall wären sie neben den vielen anderen in ein anderes Bundesland abgewandert und damit aller Voraussicht nach für Brandenburg verloren. Im weniger guten Fall wären es Sozialleistungsempfänger mit wenig Aussicht auf Wiedereingliederung und im schlimmsten Fall Straffällige. Schon allein deshalb lohnt sich diese Investition in Ausbildung, Jugend und Zukunft für unser Land.

Wir, als Träger der berufspraktischen Ausbildung, sehen ganz andere Vorteile und
Probleme. Es gab Zeiten, da absolvierten in unseren Bildungsstätten „Auszubildende“ in fünf unterschiedlichen Ausbildungsmodellen die fachpraktischen Lehrgänge für denselben Beruf. Neben den betrieblichen Auszubildenden, die ihre überbetrieblichen Lehrgänge belegten, gab es den Auszubildenden im Programm „Gemeinschaftsinitiative Ost“, im Programm „Landesinitiative“, in der Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen und eben im Kooperativen Modell. Die Ausbildungsvergütung schwankte von 0 bis zur guten tariflichen Vergütung im Bau. Obwohl alle inhaltlich gleich ausgebildet werden mussten, gab es erhebliche Unterschiede in der Kostenerstattung für das Bildungsunternehmen. Gleichbehandlung und die Vermeidung offensichtlicher Unterscheidungsmerkmale waren und sind für uns trotzdem oberstes Gebot.
Zudem handelte es sich bei den Schülern im Kooperativen Modell oft um Schulabgänger, deren Zeugnisse nicht schlecht genug waren, um als Benachteiligte zu gelten, aber nicht gut genug, um eine Chance auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz zu haben. Manche sprechen deshalb vom „Lückenmodell“.
Ein Ausgleich der Defizite über sozialpädagogische Betreuung und zusätzliche berufstheoretische Förderung war und ist nicht vorgesehen. So mancher Ausbildungsabbruch hätte dadurch vermieden werden können. Auch die Vermittlung in Arbeit, und das zeigen unsere Erfahrungen, hätte verbessert werden können.
Das haben wir schnell erkannt und nachdem wir uns mit dieser Forderung nicht durchsetzen konnten, gingen wir in die Initiative. Hilfreich zur Seite standen uns dabei die regionalen Arbeitsämter und die Oberstufenzentren und deren Schulträger. Über ABM-Stellen wurde die Betreuungslücke geschlossen und schnell zeigten sich Erfolge. Nicht nur die Zahl der Abbrecher ging erheblich zurück, auch die Motivation der Schüler und die Prüfungsergebnisse verbesserten sich. Es ist in einem Fall sogar gelungen, allen Absolventen eines Ausbildungsganges zum Spezialtiefbauer einen Arbeitsplatz anzubieten. Letzten Endes waren es Entscheidungen der Bundesagentur für Arbeit, die das Fortführen dieser Erfolge behinderten, denn ABM wurde nur noch auf solch geringem Niveau gefördert, dass keine Stelle dafür mehr zur Verfügung gestellt werden konnte.

Fazit und Ausblick

Getreu dem Spruch “Tot Gesagte leben länger“ ist das Kooperative Modell in den fast zehn Jahren seines Bestehens eine feste Säule im Ausbildungsangebot geworden. Es ist zwar aus der Not geboren und hat sicher bis heute seine Schönheitsfehler (einer davon ist der unangemessen hohe bürokratische Aufwand), aber es war stark und notwendig genug, um Anfangsprobleme und Angriffe zu überstehen. Im Ergebnis stehen Tausende junge Menschen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Welche Alternative gibt es, muss man die Kritiker fragen?
Brauchen wir das „Lückenmodell“ noch, wenn die Schulabgängerzahlen in den nächsten Jahren drastisch zurück gehen! Wir meinen „ja!“, aber in angepasstem Umfang und sich verändernder Zielstellung. Denn die Auswirkungen des demografischen Wandels werden noch einige Überraschungen mit sich bringen.

Das Kooperative Modell als ein Weg zu hochwertigen Berufsabschlüssen kann in der Zukunft dazu dienen, ein Potenzial an gut ausgebildeten jungen Menschen zu schaffen. Denn Bildung und Wissen seiner Menschen waren und sind der entscheidende Vorteil des Standortes Deutschland. Darüber hinaus kann man über das Kooperative Modell Lücken ausgleichen, wenn die Wirtschaft dies temporär nicht ausreichend leisten kann.

Das Kooperative Modell wird finanziert und gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Brandenburg.


10 Jahre Kooperatives Modell im ÜAZ Brandenburg/H.-Friesack bedeutet in Zahlen und Fakten folgendes:

An den vier Standorten des ÜAZ in Brandenburg an der Havel, Friesack, Werder/Havel und Perleberg wurden seit 1997 insgesamt 754 Schüler in 16 Berufen ausgebildet. Davon absolvieren zur Zeit 145 Schülerinnen und Schüler ihre praktischen Ausbildungsanteile im ÜAZ. Die Träger des Koop- Modells sind unsere Kooperationspartner, die regionalen Oberstufenzentren, mit denen wir gut zusammenarbeiten und überwiegend positive Ergebnisse erzielen